Fahrzeugumverteilung im Carsharing bedeutet, Fahrzeuge von Zonen mit zu hohem Angebot in Zonen mit zu niedrigem Angebot zu bringen. Ohne Steuerung verstärkt sich dieses Ungleichgewicht im Laufe des Tages. Fahrzeuge häufen sich in Wohngebieten an, während Gewerbezonen leer laufen, und sammeln sich vor Flughäfen bei Abflügen, um nach der nächsten Ankunftswelle wieder zu fehlen.
In dieser Lektion schauen wir uns an, wie sich die Umverteilungs-Herausforderung je nach Geschäftsmodell unterscheidet und welche vier Strategien Betreiber einsetzen. Außerdem betrachten wir, wann statische statt dynamische Abläufe sinnvoll sind, zwei Szenarien bei denen sich die Planung lohnt, und die Kennzahlen, die zeigen, ob dein Ansatz funktioniert.
Das Ausmaß des Umverteilung-Problems hängt davon ab, wie dein Service aufgebaut ist.
Quelle: Webinar Recap: Enhancing Car Sharing Operations Through Technology
Beim stationsbasierten Carsharing kehren Fahrzeuge nach jeder Fahrt zur Ausgangsstation zurück, was das Problem von Fahrzeug Ansammlungen begrenzt. Gezielte Positionierung bleibt trotzdem wichtig. Betreiber können vor einer Großveranstaltung Fahrzeuge an einer Station aufstocken oder Fahrzeugtypen zwischen Standorten tauschen, um die Nachfrage abzudecken. Es werden meist mehr Transporter in der Nähe eines Möbelhauses und kleinere Autos im Stadtzentrum benötigt.
Free-Floating Carsharing ist schwerer zu steuern. Kunden können eine Fahrt überall innerhalb des Betriebsgebiets beenden, sodass Fahrzeuge unvorhersehbar positioniert werden. Es gibt keine Station, zu der das Fahrzeug zurückgebracht werden muss, nur eine Lücke in Angebot und Nachfrage, die sich stündlich verschiebt. Free-Floating-Betreiber brauchen mehr Echtzeit-Daten, häufigere Umpositionierungen und flexiblere Arbeitskräfte.
Quelle: Webinar Recap: Enhancing Car Sharing Operations Through Technology
Die vier folgenden Ansätze schließen sich nicht gegenseitig aus. Die meisten erfahrenen Betreiber setzen eine Kombination ein und passen die Mischung an, wenn Flotte und Gebiet wachsen.
Eigene Mitarbeiter fahren Fahrzeuge von überversorgten in unterversorgte Zonen. Gängige Ansätze sind Einzelfahrten, bei denen der Fahrer das Fahrzeug abstellt und mit dem ÖPNV zurückkehrt oder Shuttle-Teams, die mehrere Abholungen hintereinander abarbeiten, und geplante Routen, die mehrere Umverteilungen effizient bündeln.
Eine Betreiber-gestützte Umverteilung wird oft nachts durchgeführt. Es ist leicht zu kontrollieren und unkompliziert umzusetzen, aber auch die teuerste Option, besonders wenn die Flotte wächst.
Statt Fahrzeuge selbst umzuverteilen, steuerst du, wo Kunden ihre Fahrten beenden. Dabei helfen Preiszonen, die eine Gebühr für das Beenden in nachfrageschwachen Gebieten verlangen oder einen Rabatt für das Beenden in Nachfragestarken Gebieten bieten.
Preiszonen wirken schrittweise und formen das Verhalten über viele Fahrten, statt das Ungleichgewicht sofort zu lösen. Langfristig reduzieren sie den Umfang der mitarbeitergestützten Umverteilung.
Freiberufler bewegen Fahrzeuge gegen eine Gebühr, typischerweise über eine eigene Plattform. Sie sind weder Mitarbeiter noch Kunden, sondern freie Arbeiter, die bei der Umverteilung helfen, ohne deine Belegschaft oder Fixkosten zu erhöhen.
Die Effektivität dieses Modells hängt von der Zuverlässigkeit des Freiberuflichen Partners ab. Qualitätskontrolle und konsistente Ausführung hängen davon ab, wie gut die vermittelnde Plattform ihre Community managt.
Hinter allen drei obigen Ansätzen steckt ein Algorithmus, der entscheidet, welche Fahrzeuge wohin und wann bewegt werden. Typische Angaben sind Nachfrageprognosen, Zonenplanung, Tracking der Standzeit und ein Abgleich von Nachfrage und Angebot in Echtzeit.
Die meisten Betreiber bauen die Systeme zur Umverteilung nicht intern. Die Frage ist, ob man eigene Optimierungen entwickelt, einen Umverteiler-Service kauft, der sowohl Algorithmus als auch Arbeitskräfte liefert, oder gehst du Partnerschaften für die Umverteilung ein, während Entscheidungen intern bleiben. Dieselbe Logik, die bei der Flottenwartung gilt, gilt auch hier.
Durchgeführt über Nacht oder in buchungsarmen Zeiten, wenn Fahrzeuge nicht aktiv genutzt werden. Einfacher zu planen, günstiger umzusetzen und mit geringeren Kosten, da du keine Fahrzeuge von potenziellen Buchungen ausschließt.
Durchgeführt während der Betriebszeiten, als Reaktion auf das aktuelle Nachfrageverhalten. Schwerer umzusetzen und teurer pro umverteiltes Fahrzeug. Die meisten Betreiber kombinieren beide Ansätze. Statisches Rebalancing übernimmt den Großteil der nächtlichen Umstellungen, dynamisches füllt die Lücken, die tagsüber entstehen.
Der Kompromiss zwischen Timing und Flexibilität wirkt sich direkt auf dein Budget aus. Eine Umverteilung mit einem breiten Zeitfenster, bis Tagesende zum Beispiel, ist leicht zuzuweisen und mit anderen Aufgaben zu bündeln. Zu entscheiden, welche Umverteilungen wirklich schnell erfolgen muss, hat direkten Einfluss darauf, was diese kostet.
Flughäfen haben einen vorhersehbaren Umverteilungs-Rhythmus. Abflüge am frühen Morgen, Ankünfte am Abend und saisonale Spitzen rund um Sommer und Feiertage. Häufige Herausforderungen sind überfüllte Parkplätze, Risiken für Bußgelder und in vielen Städten formale Vereinbarungen mit Flughafenbetreibern, die regeln, wo Fahrzeuge parken dürfen.
Wenn ein Flughafen einen wichtigen Teil deines Betriebsgebiets ausmacht, lohnt es sich, bei jedem Umverteilungs-Partner nachzufragen, ob er eigene Strategien für Parkverhalten an Flughäfen hat. Das Volumen und die Vorhersehbarkeit können spezialisierte Ansätze rechtfertigen.
Bei Elektrofahrzeugen ist die Umverteilung nicht nur räumlich. Ein Fahrzeug mit niedrigem Ladestand muss möglicherweise erst an eine Ladestation gebracht werden, bevor es die nächste Buchung bedienen kann. Bei jeder Umverteilung muss abgewägt werden, ob Fahrzeuge direkt zur Nachfrage oder zuerst zum Laden gebracht werden sollen.
Umverteilung-Services, die mit Elektroflotten-Betreibern arbeiten, werden oft mit Ladeaufgaben gekoppelt, um das effizient zu lösen. Ladevorgänge für Elektrofahrzeuge werden in der nächsten Lektion dieses Moduls ausführlicher behandelt.
Jede Umverteilungs-Strategie hängt von der Qualität der Daten ab, die du über deine Flotte sammelst. Ohne eine zuverlässige Telematik, die dein System mit Daten versorgt, kannst du die Nachfrage nicht vorhersagen, Ungleichgewichte nicht erkennen und nicht messen, ob die Umverteilungen positive Ergebnisse bringen.
INVERS liefert die Telematik- und Datengrundlage, die Betreiber in ihre Umverteilungs-Entscheidungen einbeziehen. Umverteilung als Service bietet INVERS nicht an. Betreiber, die INVERS-Daten verwenden, können diese in eigene Systeme, Drittanbieter-Services oder eine Kombination aus beidem einbauen.
Umverteilung hat starken Einfluss auf die Kosten des Betriebs. Das Ziel ist es, durch bessere Fahrzeugpositionierung mehr Einnahmen zu erzielen, als der Umverteilung selbst kostet.
Drei Kennzahlen lohnen sich neben diesen Kosten zu verfolgen:
Wenn die Umverteilung mehr kostet, als es an Einnahmen zurückbringt, sollte die Strategie beim Umfang der Umverteilungen, oder den Methoden, angepasst werden.
Umverteilen bedeutet, Fahrzeuge von Zonen mit hohem Angebot in Zonen mit hoher Nachfrage zu bringen. Ohne die Umverteilung häufen sich Fahrzeuge an den falschen Stellen, und Kunden finden dort kein Auto, wo sie eins brauchen.
Im Free-Floating Carsharing können Kunden eine Fahrt überall im Betriebsgebiet beenden. Es gibt keine Stationen, zu dem zurückgekehrt werden muss, weshalb sich Ungleichgewichte kontinuierlich aufbauen und Echtzeit-Daten sowie flexible Arbeitskräfte erfordern.
Umverteilung durch den Betreiber, Umverteilung durch den Nutzer, Umverteilung durch freelancer und vorausschauende Optimierung. Die meisten Betreiber nutzen eine Kombination statt sich auf einen einzigen Ansatz zu verlassen.
Statische Umverteilung bewegt Fahrzeuge nachts, wenn sie nicht aktiv genutzt werden. Dynamische Umverteilung läuft während der Betriebszeiten als Reaktion auf die aktuelle Nachfrage. Die meisten Betreiber nutzen beides.
Verfolge Leerlaufzeiten, Fahrten pro Fahrzeug und Tag und die direkten Kosten der Umverteilung. Wenn die Umverteilung mehr kostet, als sie an Einnahmen bringt, muss der Ansatz angepasst werden.
Nein. INVERS liefert die Telematik- und Datengrundlage, die Betreiber für ihre Umverteilungs-Entscheidungen nutzen. Die Umverteilung selbst wird intern, durch Drittanbieter-Services oder über Partnerschaften abgewickelt.