Carsharing & öffentlicher Verkehr: Beispiele von ÖV-Anbietern mit eigenem Carsharing-Dienst
Die Vernetzung von Carsharing mit Bus- und Bahnsystemen verbessert die Anschlussmobilität. Das kann die Abhängigkeit vom eigenen Auto weiter reduzieren und einen nachhaltigen Stadtverkehr fördern. Viele europäische öffentliche Verkehrsunternehmen (ÖV) arbeiten bereits mit Carsharing-Diensten zusammen, sei es durch Partnerschaften, Kampagnen, MaaS-Integrationen oder auf Konferenzen und in Arbeitsgruppen. Einige Betreiber wie die Deutsche Bahn oder die Wiener Linien gehen einen Schritt weiter und betreiben eigene Carsharing-Dienste. So entstehen nahtlose, multimodale Mobilitätsökosysteme. Dieser Blog stellt sechs ÖV-Unternehmen vor, die einen eigenen Carsharing-Betrieb führen.
Carsharing trifft auf öffentliche Verkehrsunternehmen
Carsharing und der öffentliche Nah- und Fernverkehr sind eng miteinander verbunden. Studien belegen, dass Carsharing-Nutzer häufiger mit Bus und Bahn fahren als Besitzer von Privat-Pkw. In Brüssel beispielsweise besitzen 70 % der cambio-Nutzer und 65 % der Poppy-Nutzer ein ÖV-Abo.
Carsharing-Anbieter entwickeln oft spezielle Pakete für ÖV-Nutzer und platzieren ihre Stationen gezielt an wichtigen Verkehrsknotenpunkten. Auch öffentliche Verkehrsunternehmen investieren verstärkt in vernetzte Mobilitätslösungen, um Alternativen zum eigenen Auto attraktiver zu machen. Sie setzen beispielsweise auf Mobility-as-a-Service (MaaS) Apps, die geteilte Mobilität und ÖPNV bündeln, engagieren sich in UITP-Arbeitsgruppen und auf Shared Mobility Konferenzen oder ergänzen ihr Angebot direkt durch eigene Carsharing-Dienste.
6 Beispiele für ÖV-Unternehmen mit eigenen Carsharing-Diensten
Folgende sechs Beispiele zeigen Carsharing-Marken, die von ÖV-Unternehmen auf nationaler, regionaler oder lokaler Ebene geführt werden:
Flinkster
Deutschland I Deutsche Bahn (DB) I Website
Flinkster ist das stationsbasierte Carsharing-Angebot der Deutschen Bahn. Die Fahrzeuge stehen meist direkt an Bahnhöfen und verbinden so die Bahnfahrt perfekt mit geteilter Mobilität. Flinkster ist Teil der DB-Strategie, den öffentlichen Verkehr über Schiene und Bus hinaus zu verlängern und Carsharing fest in das Kernangebot zu integrieren.
ÖBB Rail&Drive
Österreich I Österreichische Bundesbahnen (ÖBB) I Website
Die ÖBB befördert jährlich rund eine halbe Milliarde Fahrgäste. Mit ÖBB Rail&Drive bietet das Unternehmen hunderte Fahrzeuge an Bahnhöfen in über 40 Städten in ganz Österreich an. Diese Integration bietet Bahnreisenden eine praktische Option für den Weg zum Ziel oder zum Bahnhof. ÖBB Rail&Drive ermöglicht so eine reibungslose und nachhaltige Reise von Tür zu Tür.
Corrente
Italien I Trasporto Passeggeri Emilia Romagna (TPER) I Website
Corrente ist ein elektrischer Free-Floating-Carsharing-Dienst mit über 300 Fahrzeugen in Italien. Das Angebot ist beispielsweise in Bologna oder Ferrara verfügbar. Betrieben wird Corrente von TPER, einem ÖV-Betreiber in Emilia-Romagna. Ein großer Vorteil der Corrente-Fahrzeuge ist, dass sie in verkehrsberuhigte Zonen (ZTL) fahren dürfen.
WienMobil Auto
Österreich I Wiener Linien I Website
Die Wiener Linien betreiben U-Bahnen, Straßenbahnen, Busse und rund 100 Carsharing-Autos unter der Marke WienMobil Auto. Die vollelektrische Flotte ist über das gesamte Stadtgebiet verteilt. ÖV-Abonennten erhalten Rabatte auf Carsharing-Pakete und -Abogebühren. Wiener Linien ist zudem Gastgeber der diesjährigen Fachkonferenz Shared Mobility Rocks.
Flex
Luxemburg I Société Nationale des Chemins de Fer Luxembourgeois (CFL) I Website
CFL Mobility ist eine Tochtergesellschaft der staatlichen luxemburgischen Bahn CFL und betreibt den stationsbasierten Carsharing-Dienst Flex. Mit etwa 100 Stationen und 25.000 Mitgliedern ist Flex der wichtigste Carsharing-Anbieter im Land. Kürzlich wurde zudem das Carsharing-Angebot von Carloh integriert. Die Flotte reicht vom Audi A1, über Fiat Talento und MINI Cooper, bis zum VW ID. Buzz Cargo und deckt damit viele Bedürfnisse vom City-Trip bis zum größeren Transport ab.
swu2go
Deutschland I SWU – Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm I Website
Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm versorgen die Region nicht nur mit Energie und Wasser, sondern betreiben auch den Nahverkehr. Carsharing ist unter der Marke swu2go ein fester Bestandteil ihres Mobilitätsangebots. Die Flotte ist komplett elektrisch und an rund 30 Stationen in der Region verfügbar.
Weitere ausgewählte Kooperationsmodelle von Carsharing und ÖV-Unternehmen
Neben dem Eigenbetrieb gibt es viele weitere Modelle der Zusammenarbeit zwischen dem ÖPNV und externen Carsharing-Partnern.
Beispiele sind unter anderem:
Kleinere Partnerschaften und Kampagnen:
Dazu gehören exklusive Testangebote oder Gutscheine für die Kombination von Bahn und Carsharing (z. B. „Hinfahrt mit der Bahn, Rückfahrt mit dem Carsharing-Auto“). Solche Aktionen senken die Hemmschwelle und fördern die kombinierte Nutzung verschiedener Verkehrsmittel (Stichwort Multi- und Intermodalität).
Strategische Partnerschaften und Kooperationen:
Langfristige Partnerschaften zeigen sich beispielsweise in der Schweiz, wo ein Drittel der Mobility-Fahrzeuge direkt an SBB-Bahnhöfen bereitsteht. In Großbritannien testet Enterprise CarShare gemeinsam mit Southeastern neue Wege, um das Carsharing-Angebot an lokalen Bahnhöfen gezielt auszubauen. In Österreich ist zum Beispiel der Anbieter Caruso mit Angeboten wie dem Klimaticket VMOBIL oder Klimaticket Österreich koppelbar.
Mobility-as-a-Service (MaaS) Integrationen:
Viele Städte nutzen umfassende Plattformen, die ÖV und Shared Mobility bündeln. Beispiele sind Jelbi (Berlin), Floya (Brüssel), hvv switch (Hamburg) oder Madrid Mobility 360. Berlin und Hamburg planen, ihre Apps 2026 zu einer gemeinsamen App zusammenzuführen.
Gemeinsame Foren und Networking:
Um geteilte Mobilität als festen Bestandteil öffentlicher Verkehrssysteme zu etablieren, intensivieren ÖV- und Sharing-Anbieter die Zusammenarbeit in gemeinsamen Foren und Arbeitsgruppen. Ein Beispiel sind die Shared Mobility Arbeitsgruppen des Internationalen Verbands für öffentliches Verkehrswesen (UITP). Verstärkt wird dieser Austausch durch Branchen-Events wie Shared Mobility Rocks, das 2026 u.a. von den Wiener Linien ausgerichtet wird.
Ausblick
Die Zusammenarbeit zwischen dem klassischen ÖV und Carsharing-Anbietern ist vielfältig und hat sich über Jahre etabliert. Während einige ÖV-Anbieter auf eigene Systeme setzen, setzen andere beispielsweise auf Kooperationen, um die vernetzte Mobilität voranzutreiben. All diese Bemühungen verfolgen ein gemeinsames Ziel: Den Stadtverkehr effizienter, nachhaltiger und nutzerfreundlicher zu gestalten.
Wenn du diesen Artikel hilfreich findest, abonniere gerne unseren Newsletter, um regelmäßig spannende Einblicke in die Welt des Carsharings zu erhalten.