Digitalisierung von Taxi-Unternehmen – Lessons from GoodMoovs

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Carsharing, Expert Interviews

Digitalisierug von Taxi Unternehmen - Lessons from GoodMoovs

Die Taxi-Branche vollzieht aktuell einen enormen Wandel. Traditionelle Taxi-Betreiber setzen verstärkt auf digitale Tools, um das Nutzererlebnis zu verbessern, aber auch um Abläufe zu optimieren, Flottenauslastungen zu steigern und Fahrern bessere Bedingungen zu bieten.

In dieser Ausgabe unserer „Lessons From“ Serie haben wir mit Didier Bollen vom Softwareanbieter GoodMoovs aus den Niederlanden über die Digitalisierung von Taxi-Flotten gesprochen. Didier teilt Einblicke darüber, wie man das Taxi-Geschäft durch die Installation von Telematiken digitalisieren kann, über die Herausforderungen vom “Carsharing für Taxi-Flotten“ und was die Zukunft für die Branche bereithält.

1. Was ist “Carsharing für Taxi-Flotten“ und warum habt ihr eure Digitalisierungsinitiative für Taxis gestartet?

Carsharing für Taxi-Flotten beschreibt ein Modell zur Digitalisierung von Taxi-Unternehmen. Taxi-Betreiber stellen dabei einen Pool von Fahrzeugen für unabhängige Fahrer bereit. Diese können die Autos dann für ihre Schichten mieten, anstatt sie zu kaufen.

Unsere Initiative hat mit der Anfrage eines Taxi-Betreibers begonnen, der bereits einen Taxi-Pool betrieben hat. Er benötigte eine flexiblere Software-Lösung mit besserer Performance. Agilität und Flexibilität liegen in der DNA von GoodMoovs. Unser Engagement für Shared Mobility ermöglicht es uns, schnell zu reagieren und Lösungen um die spezifischen Bedürfnisse jedes Kunden herum zu entwickeln.

In den Gesprächen mit dem Taxi-Betreiber konnten wir feststellen, dass es eine sehr große Übereinstimmung der genannten Anforderungen mit den bestehenden Carsharing-Funktionalitäten unserer GoodMoovs-Plattform gab. In diesem Fall mussten wir nur kleinere zusätzliche Features entwickeln, damit ihr Business Case funktioniert.

2. Wie ermöglicht ihr mit eurer Software einen digitalen Flottenbetrieb?

Wir bieten eine ganzheitliche White-Label-Plattform an, die alles kombiniert, was ein Betreiber benötigt. Das beinhaltet eine App für die Fahrer, damit sie ein Fahrzeug für ihre Schicht buchen können, umfassende Back-Office-Tools und ein rund um die Uhr erreichbarer Call-Center-Support.

Der 24/7-Aspekt ist entscheidend, da das Taxi-Geschäft rund um die Uhr läuft. Besonders in städtischen Regionen wie Amsterdam sind Taxis nachts genauso viel im Einsatz wie am Tag.

Einige unserer Kunden wie RentaCab möchten sicherstellen, dass ihre Marke durchgehend konsistent ist. Anstatt der GoodMoovs-App laden ihre Fahrer eine App mit ihren Logos, ihren spezifischen FAQs und maßgeschneiderten Funktionen herunter. Hinter der App steckt unser System, aber für den Fahrer ist es vollständig das System des Betreibers.

3. Was sind die größten Herausforderungen beim Carsharing für Taxi-Flotten und wie könnt ihr diese mit Technologie lösen?

Eine große Herausforderung beim Carsharing für Taxi-Flotten ist der schlüssellose Zugang. Er macht den gesamten Betrieb erst möglich, erfordert aber eine konstante Verbindung zum Fahrzeug. Eine zuverlässige Telematik wie die CloudBoxx stellt die Erreichbarkeit der Fahrzeuge sicher, sodass die Fahrer jederzeit auf ihre Autos zugreifen können.

Eine weitere Herausforderung ist die Schadenskontrolle. Da die Fahrer auf geteilte Fahrzeuge zurückgreifen, kümmern sie sich unter Umständen weniger fürsorglich um sie. Technologie hilft uns, dies zu adressieren, indem wir Mechanismen implementieren, die die Verantwortlichen für Schäden identifizieren. Natürlich wollen wir nicht als digitale Polizei agieren. Diese Daten helfen jedoch dabei, die Autos flexibel zu nutzen, ohne unerwünschter Kosten für den Betreiber zu verursachen.

4. Warum habt ihr euch für die INVERS-Integration zur Digitalisierung von Taxi-Unternehmen entschieden?

Die Entscheidung hatte zwei Gründe. Erstens war es eine kundengetriebene Anforderung. Es gab reguläre Carsharing-Betreiber, die mit uns zusammenarbeiten wollten, während sie bereits erfolgreich auf der INVERS-Hardware liefen. Sie wollten nicht weg von der CloudBoxx, daher war die Integration von INVERS notwendig, damit sie unsere Software nutzen konnten.

Aber INVERS war auch als strategischer Partner passend. Wir brauchten einen Partner, der uns unabhängig von Fahrzeugmarke oder Alter beliefern konnte. Egal, ob ein Auto fünf Jahre oder zwei Wochen alt ist, wir müssen es schnell und zuverlässig einsatzbereit bekommen. Im Vergleich zu den Alternativen überzeugte INVERS mit überlegener F&E hinter Produkten wie der CloudBoxx, was uns ermöglicht, im Taxi-Geschäft erfolgreich zu sein.

5. Welche Telematik-Signale sind für die Digitalisierung von Taxis wirklich essenziell und warum?

In unserem täglichen Geschäft ist das Signal „Motor läuft“ am wichtigsten. Es ist entscheidend für die Zuverlässigkeit und um den Status jedes Fahrzeugs zu kennen.

Das zweite essenzielle Signal ist der Ladestatus, der für elektrische Taxi-Flotten von zentraler Bedeutung ist. Neben intelligenten Laden planen wir bei GoodMoovs die Einführung von Vehicle-to-Grid (V2G), um die Fahrzeugbatterien als aktive Stromspeicher für das öffentliche Netz zu nutzen. Da wir die nächsten Reservierungen genau kennen, können wir die Ladevorgänge so optimieren, dass das Stromnetz geschont wird.

6. Welche KPIs beweisen den betrieblichen Einfluss für Taxi-Unternehmen am besten?

Der Kern-KPI ist die Auslastung. Betreiber von geteilten Taxi-Flotten wollen, dass ihre Fahrzeuge so viel wie möglich genutzt werden. Besonders, da ihre Fahrer oft keine Angestellten, sondern unabhängige Geschäftsinhaber sind, die für jede Minute bezahlen, die sie das Fahrzeug nutzen.

Zitat von Didier Bollen über Carsharing für Taxi-Flotten

Die Kilometerleistung ist ein weiterer wichtiger Indikator. Sie zeigt, wie gut der Taxi-Betrieb performt und hebt saisonale Muster hervor, wie die Hochzeiten nach dem Sommer oder während der Feiertage.

Zudem ist der Umsatz pro Fahrzeug ein sehr einfacher KPI, um zu sehen, wie es dem Unternehmen wirklich geht. Da die Abrechnung minutengenau erfolgt, zeigt dieser Wert schwarz auf weiß, wie profitabel der Betreiber arbeitet.

7. Was sind die größten Hindernisse bei der Digitalisierung eines Taxi-Unternehmens?

Einer der größten Schwierigkeiten ist der Umgang mit der Hardware-Installation, insbesondere bei neuen Fahrzeugmodellen. Zum Beispiel haben wir kürzlich eine Flotte von BMW i5 für einen Kunden integriert. Wir waren die Ersten, die dieses Modell in dieser Menge auf den Markt gebracht haben. Bevor wir die Telematik installieren und einen zuverlässigen Betrieb sicherstellen konnten, musste daher erst das Fahrzeug analysiert werden.

8. Was sind eure größten Erfolge bei der Arbeit mit Taxi-Betreibern?

Unser größter Erfolg ist zweifellos die Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit unserer Plattform. Obwohl unsere Verträge beinhalten, dass Unterbrechungen von bis zu einer Stunde unter unser Standard-SLA fallen und keine Haftung begründen, sehen wir jede Minute kritisch. Wir haben unsere Plattform mehrstufig abgesichert, weil wir wissen, wie wichtig ein zuverlässiger Taxi-Betrieb ist. Selbst mit dieser einstündigen Pufferzeit hatten wir in den 2,5 Jahren seit unserem Einstieg keine ungewöhnlichen Ausfälle.

Ein weiterer Erfolg ist die Nachfrage. Sobald wir unseren ersten Kunden an Bord hatten und bewiesen haben, dass das Modell funktioniert, sind weitere Betreiber auf uns zu gekommen. Der Markt entwickelt sich schnell, besonders in einem Land wie den Niederlanden. Unsere Fähigkeit, eine stabile, flexible Lösung zu liefern, hat unser Wachstum stark vorangetrieben.

9. Wie wird die Digitalisierung die Taxi-Branche in den nächsten 2-3 Jahren beeinflussen?

Ich sehe ein anhaltendes Wachstum von Modellen mit selbstständigen Taxifahrern voraus, insbesondere in Märkten, in denen dies rechtlich erlaubt ist. Schiphol Taxi Network (STN) in Amsterdam ist ein Paradebeispiel für diese Entwicklung.

Wir werden wahrscheinlich auch erleben, dass sich traditionelle Taxiunternehmen eher von Arbeitgebern zu Flottenbesitzern entwickeln. Sie werden die Fahrzeuge und die Technologie bereitstellen, während die Fahrer ihre eigenen Mikrounternehmen führen.

Die weitere Digitalisierung könnte sich schrittweise in Richtung App-gesteuerter Modelle bewegen. In den nächsten 10 bis 15 Jahren könnten die Apps für Fahrer und Fahrgäste zu einer einzigen Plattform verschmelzen, ähnlich wie wir es heute schon bei autonomen Mobilitätsdiensten wie Waymo erleben.

In naher Zukunft (2–3 Jahre) wird der Fokus jedoch auf der Optimierung der Fahrer- und Backend-Betriebsebene liegen, anstatt verbraucherorientierte Apps wie Uber oder Bolt zu ersetzen.

10. Gibt es weitere neue Geschäftsmodelle, die ihr erkundet?

Ja, speziell in den Niederlanden entwickeln wir ein „Teilzeit-Lease“-Konzept. Diese Initiative macht aus einem traditionellen Privatleasing-Auto eine teilbare Wertanlage. Es ermöglicht dem Hauptnutzer, das Fahrzeug mit Familienmitgliedern, Nachbarn oder Kollegen zu teilen, wenn er es selbst nicht nutzt. Ähnlich wie beim Carsharing für Taxi-Flotten optimiert dies die Fahrzeugauslastung und liefert dem Hauptnutzer jeden Monat erhebliche Kosteneinsparungen.

Vielen Dank, Didier, für das Interview und die wertvollen Einblicke in die Digitalisierung des Taxigeschäfts!


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