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MILES

MILES Mobility startete 2016 und ist mittlerweile der größte unabhängige Carsharing-Anbieter in Deutschland. Abgerechnet wird nach gefahrenen Kilometern und nicht nach Minuten. Das Angebot umfasst zusätzlich zum Carsharing auch geteilte Transporter und Tarife für flexible Tagesmieten – alles in einem stationslosen free-floating System. Mit seiner vielfältigen Flotte einschließlich VW Polo, VW ID.3, Audi A4 Avant und Mercedes Sprinter deckt MILES zahlreiche Kundenbedürfnisse ab. Das Unternehmen ist in Berlin, Hamburg, München und Köln mit insgesamt über 3.000 Fahrzeugen aktiv.

MILES glaubt an eine Welt, in der geteilte Mobilität nachhaltig und für jeden zugänglich ist, und schafft eine Alternative zum privaten Autobesitz. Das Ziel ist, ein Teil des persönlichen Mobilitätsmixes zu sein und das urbane Leben zu verbessern. MILES‘ Vision: jede gefahrene Meile sollte eine geteilte Meile sein.

Dieses Interview haben wir mit Oliver Mackprang, CEO von MILES, geführt, der uns interessante Einblicke in das erfolgreiche Geschäftsmodell gegeben hat.

miles carsharing

Was macht MILES im Vergleich zu anderen free-floating Carsharing-Anbietern anders?

Bei MILES betrachten wir Carsharing aus der Nutzerperspektive – der Mix aus unseren Tarifen und Fahrzeugangeboten macht den Service für unsere Nutzerinnen und Nutzer erst wertvoll, weshalb sie Carsharing gegenüber Privatfahrzeugen bevorzugen.

Außerdem ist unser Preismodell einzigartig. Das Bezahlen nach Kilometern und nicht nach Minuten nimmt den Zeitdruck aus der Gleichung und macht Carsharing zu einem stressfreieren Erlebnis. Gleichzeitig werden die Fahrt und ihre Abrechnung berechenbarer und transparenter.

Ist Ihr Preismodell nicht weniger profitabel als der standardmäßige Preisansatz im Carsharing?

Nicht unbedingt. Letztlich müssen Kosten kalkulierbar, planbar und messbar sein. Und so haben wir nicht nur unsere Kostenstruktur, sondern auch unser Geschäftsmodell konzipiert, damit es für uns funktioniert.

Tatsächlich haben wir im Jahr 2020 den Break-even erreicht. Wir konnten unseren Umsatz von 5,7 Mio. Euro im Jahr 2019 auf 20 Mio. Euro im Jahr 2020 fast vervierfachen und haben im Oktober 2020 die Schwelle zur Profitabilität überschritten. Und das alles trotz Pandemie, wegen der praktisch die ganze Welt angehalten war, zuhause zu bleiben. Wir sind sehr stolz darauf, diesen großen Meilenstein als einziger Carsharing-Anbieter in Deutschland erreicht zu haben. Das war vor allem durch unsere ganzheitliche Sicht auf die Branche und unseren anwendungsfallbezogenen Ansatz möglich.

Wie sieht das Tech-Stack von MILES aus?

Im August 2020 haben wir unsere selbstentwickelte Sharing-Software und Nutzer-App eingeführt. Dadurch wollten wir flexibler und unabhängiger handeln können, um unsere Produktfunktionen und -anforderungen, Fehlerbehebungen und die Wachstumsgeschwindigkeit selbstständig zu priorisieren. Ein weiterer wichtiger Faktor bei dieser Entscheidung war, dass wir uns von unseren Mitbewerbern abheben wollten, die dieselben bestehenden White-Label-Lösungen nutzten. Wir sind ein sehr agiles Unternehmen und können uns jetzt in dem für uns richtigen Tempo bewegen. Gleichzeitig sind wir in der Lage, einzigartige Nutzererlebnisse zu erschaffen.

Bei unserer Hardware setzen wir seit Beginn auf die Telematiklösung von INVERS. Sowohl für unsere anfänglich 200 Fahrzeuge als auch für unsere heutige Flotte aus über 3.000 Fahrzeugen. INVERS spielt eine zentrale Rolle in unserem Geschäft. Was INVERS von anderen Anbietern im Markt unterscheidet, ist die kontinuierliche Weiterentwicklung der Fehleranalyse und die Anpassungsfähigkeit von API-Diensten und Telematik-Lösungen für unterschiedliche Fahrzeugmarken und -modelle. Mit INVERS haben wir einen zuverlässigen und verlässlichen Partner. Diese Zuverlässigkeit ist entscheidend, da INVERS in die zentralsten Prozesse unseres Geschäfts eingebunden ist. Außerdem kann der Status von Fahrzeugen einfach abgelesen und Probleme nachverfolgt werden.

miles mobility sharing

Was sind MILES‘ Wachstumspläne für die Zukunft?

Unser Hauptaugenmerk beim Wachstum lag schon immer auf wirtschaftlicher Nachhaltigkeit. Derzeit gibt es andere Städte, die wir innerhalb Deutschlands erschließen möchten; wir denken nicht, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für eine internationale Expansion ist. Die Opportunitätskosten sollten die Investitionen und Risiken überwiegen. In der Zukunft können wir darüber nachdenken, vielleicht ins benachbarte Ausland vorzustoßen, doch das ist nichts, womit wir uns aktuell beschäftigen.

Außerdem haben wir gerade Elektrofahrzeuge in unsere Flotte aufgenommen und wollen hier definitiv einen Schwerpunkt setzen. Allerdings hängt diese Entwicklung auch von einigen Rahmenbedingungen wie der Ladeinfrastruktur, den Ladezeiten und -kosten sowie dem individuellen Umgang der Städte mit Elektrofahrzeugen ab, etwa bei den Parkgebühren. Ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit müssen dabei Hand in Hand gehen.

Eine andere Frage: was hat Ihr Interesse an der Mobilitätsbranche geweckt? Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der mit einem Start-up in der Branche starten möchte?

Mobilität ist ein so starker sozialer und gesamtgesellschaftlicher Faktor – das ist es, was mich am meisten fasziniert hat. Wenn Sie einen Blick auf die lebenswertesten Städte werfen, sind das die, in denen Mobilität für alle sehr leicht zugänglich ist. Zum Beispiel die meisten skandinavischen Länder, die Schweiz und einige südostasiatischen Länder. Mobilität ist ein zentraler Bestandteil des urbanen Lebens.

Mein Rat für Start-ups wäre, dass sie den Entscheidungsprozess eines Kunden wirklich verstehen, bevor sie mit ihrem Geschäft starten. Das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Berücksichtigen Sie alle Faktoren, die diese Entscheidung beeinflussen, wie z.B. das verfügbare Einkommen, das Alter und so weiter. Ein bekanntes Zitat von Bill Gates ist an dieser Stelle passend: „Die meisten Menschen überschätzen, was sie in einem Jahr erreichen können und unterschätzen, was sie in zehn Jahren erreichen können.“ Vieles beeinflusst die Entscheidung eines Menschen, wie er von A nach B kommt. Unterschätzen Sie niemals die User Journey in der Gleichung Ihrer Geschäftsplanung.

Haben Sie noch einen letzten Gedanken, den Sie teilen möchten?

Die gesamte Mobilitätsbranche würde besser und reibungsloser funktionieren, wenn alle Akteure mehr zusammenarbeiteten. Sie sollten die gegenseitigen Probleme verstehen und überlegen, wie sie sich gegenseitig unterstützen können.

Der Markt ist groß genug für alle und jeder kann wachsen. Der Gedanke, dass ein Akteur den gesamten Markt übernimmt oder andere besiegt, ist nicht nur unrealistisch, sondern auch schädlich für die Branche.