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SHARE NOW

SHARE NOW zeigt eindrucksvoll, wie die Zusammenarbeit zweier Unternehmen erfolgreicher sein kann als der Wettbewerb. Nach fast einem Jahrzehnt der Rivalität ist SHARE NOW aus einem Joint Venture der europäischen Hersteller Daimler und BMW entstanden. Beide haben zuvor ihre eigenen free-floating Carsharing-Services car2go und DriveNow betrieben und das Wachstum des Carsharing-Marktes entscheidend vorangetrieben. Unter der Marke SHARE NOW betreiben sie heute einen gemeinsamen Service mit über 11.000 Fahrzeugen in acht europäischen Ländern.

Wir haben mit Slavko Bevanda (CPO und CTO von SHARE NOW) gesprochen, um zu erfahren, was SHARE NOW zu einem führenden Carsharing-Anbieter gemacht hat und welche Rolle der Einsatz von Technologien für das künftige Wachstum spielt. Slavko begann 2002 bei Daimler und hat die Entwicklung des Carsharings seit den Anfängen begleitet. Er weiß aus erster Hand, was Carsharing erfolgreich macht.

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Was waren die größten Herausforderungen, die ihr während der Fusion von car2go und DriveNow zu SHARE NOW überwinden musstet? Wie sehen die weiteren Pläne aus?

Fusionen sind immer eine Herausforderung. Wer zwei Unternehmen erfolgreich zusammenzubringen will, muss strategisch planen, da sich Kulturen, Prioritäten des Managements, Werte und Führungsstile oft unterscheiden. Ursprünglich waren car2go und DriveNow Konkurrenten, beides stolze Organisationen mit starken Marktpositionen. Jedes Unternehmen verfolgte einen eigenen Ansatz. Während der Fusion mussten wir sicherstellen, dass entscheidendes Know-how aus beiden Teams erhalten bleibt. Außerdem mussten wir die beiden Teams physisch an einem Standort zusammenbringen, da die Zentralen von car2go und DriveNow in Stuttgart und München waren.

Eine weitere Herausforderung war die Verwaltung zweier unterschiedlicher Tech-Stacks. Dabei mussten wir zunächst herausfinden, wie man alle Abläufe unter einer übergeordneten Technologie-Infrastruktur konsolidieren kann. Wir hatten einen ehrgeizigen Zeitplan, um die Technologie, Mitgliederbasis, Prozesse und vieles mehr zusammenzuführen. Wichtig war uns dabei, dass die neue Marke SHARE NOW unmittelbar mit einem positiven Kundenerlebnis überzeugt und einen nahtlosen Übergang liefert. Das Team arbeitete motiviert und mit vollem Einsatz daran. Ich bin davon überzeugt, dass man so etwas nur mit dem richtigen Fokus, Teamgeist und der richtigen Einstellung erreichen kann. Unterstützt haben uns auch unsere Zulieferer, was diesen Prozess vereinfacht hat. Nach nur neun Monaten konnten wir voller Stolz in Städten auf der ganzen Welt mit SHARE NOW an den Start gehen.

Was die Zukunft angeht, setzen wir auf eine kontinuierliche Verbesserung unserer Services durch neue Technologien, um die Verfügbarkeit und Stabilität weiter zu verbessern. Wir möchten auch noch flexibler werden, um neue Mietoptionen mit neuen Modellen und Tagespaketen anbieten zu können. Außerdem planen wir, unsere Use Cases, Franchise-Partner, Standorte und Partnermodelle weiter auszubauen.

Was unterscheidet SHARE NOW von seinen Wettbewerbern? Was hat SHARE NOW erfolgreich gemacht?

Car2Go war einer der ersten Akteure im Carsharing-Markt und ein Pionier im free-floating Carsharing. Dabei hat das Team ein einzigartiges Verständnis von Kundenbedürfnissen entwickelt, zumal viele bislang kaum mit Carsharing vertraut waren. Seit der Markteinführung im Jahr 2008 haben wir große Fortschritte mit unseren Mobilitätsdiensten und den sie unterstützenden Produkten gemacht. Wir haben die User Experience kontinuierlich verbessert – von der Geschwindigkeit, mit der man das Auto nutzen kann, bis zu verbesserten Funktionen des App-basierten Buchungsprozesses, bei dem wir ebenfalls Pionierarbeit geleistet haben.

Unser Ziel ist, einen einfachen, bequemen, schnellen und zuverlässigen Service in die Städte zu bringen, in denen wir operieren. Jeder europäische Markt zeichnet sich durch ein spezifisches Mobilitätsverhalten der Konsumenten aus. Mit unserem flexiblen Ansatz können wir Carsharing in neue Städte bringen und unser Angebot an regionale Besonderheiten anpassen. In Kopenhagen haben wir uns beispielsweise mit Partnern zusammengeschlossen, um ein Franchise-Produkt anzubieten. Dabei geben wir unser Branchenwissen und unsere Erfahrung an andere weiter, die konsequent auf die operativen Anforderungen des lokalen Marktes eingehen können. Andererseits haben wir erkannt, dass ein Markt wie der in Nordamerika sehr viel größer und mit zahlreichen individuellen Anwendungsfällen deutlich fragmentierter ist, weshalb wir uns dazu entschlossen haben diesen Markt zu verlassen, um uns voll und ganz auf Europa zu fokussieren.

Wie trägt das Tech-Stack von SHARE NOW zu Wachstum und Erfolg bei?

Mit unserem Tech-Stack können wir flexibel global skalieren. Im Backend laufen die operativen Prozesse jeder Stadt als Microservices, sodass wir rund 250 Microservices gleichzeitig betreiben. Unsere Technologie nutzt Amazon Web Services und ist damit vollkommen Cloud-basiert, was uns ein höheres Maß an Effizienz bei der Bereitstellung und Umsetzung von Updates ermöglicht. Das bedeutet, dass Kundinnen und Kunden, unabhängig von ihrem Standort, überall mit gleicher Geschwindigkeit Fahrzeuge entriegeln können, obwohl sich die im Hintergrund laufende Architektur in Europa befindet. Ganz ohne verringerte Latenzzeit oder reduzierte Geschwindigkeit. Wir haben unsere Technologie für den internationalen Einsatz konzipiert, sodass wir überallhin expandieren und skalieren können.

Die zuverlässige und sichere Kommunikation ist ein weiterer kritischer Aspekt. Wir erleben ständig, dass versucht wird, unsere Fahrzeuge zu stehlen oder unseren Service zu missbrauchen. Mit durchgängigen Präventivmaßnahmen stellen wir sicher, dass niemand in unser System eindringen kann. Eine gesicherte Kommunikation mit dem Auto und die Definition von Gegenmaßnahmen stehen an erster Stelle und ermöglichen uns eine schnelle Reaktion auf Sicherheitsprobleme. Diese Maßnahmen zeigen auch, dass wir große Datenmengen zuverlässig verwalten und eine reibungslose Nutzererfahrung jederzeit sicherstellen können.

Wie entscheidet ihr, welche Fahrzeuge ihr zur Flotte hinzufügt? Was sind die Hindernisse?

Die Anteilseigner Daimler und BMW sind grundsätzlich offen für verschiedene Fahrzeugtypen. In beiden Unternehmen ist ein umfangreiches Wissen über Autos vorhanden. Grundsätzlich achten wir darauf, wie ein Fahrzeug im Markt wahrgenommen wird und ob es zu unserer Marke passt. Danach prüfen wir, wie wir es mit unserer App verbinden können, damit unsere Kundinnen und Kunden reservieren und entriegeln können. Einige Hersteller teilen ihre API, andere wiederum nicht. Da wir ein Auto zuverlässig öffnen und mit ihm sicher kommunizieren müssen, setzen wir auf eine starke Partnerschaft mit dem Hersteller. Um ein neues Fahrzeugmodell in unsere Flotte aufzunehmen, müssen wir zum Beispiel den Kraftstoffstand zuverlässig auslesen können. Wenn dies nicht ab Werk möglich ist, suchen wir nach IoT-Lösungen, die hierzu in der Lage sind.

Warum habt ihr euch für eine Partnerschaft mit INVERS und die Nutzung unserer CloudBoxx entschieden?

Wenn wir evaluieren, ob ein Technologie-Anbieter als Partner in Frage kommt, legen wir Wert darauf, eine gute, langfristige Beziehung aufzubauen. Erfahrung, Ehrlichkeit, Transparenz und Zuverlässigkeit sind uns wichtig. INVERS erfüllte all diese Kriterien. Das Unternehmen verfügt über die Kompetenz und die Produkte, uns die robuste und erprobte IoT zu liefern, die wir brauchen. Gleichzeitig lösen die Experten alle Herausforderungen schnell und zuverlässig. Außerdem kommt ihr Produkt CloudBoxx gut mit Situationen mit schlechter Konnektivität zurecht, wenn sich unsere Fahrzeuge zum Beispiel in einer Tiefgarage befinden. Da CloudBoxx bereits in vielen Fahrzeugmodellen integriert wurde, können wir außerdem davon ausgehen, dass sie auch mit anderen Modellen funktioniert, die wir künftig zu unserer Flotte hinzufügen möchten.

Wie siehst Du die Entwicklung der Shared-Mobility-Branche?

Derzeit ist der Markt sehr fragmentiert. Die Kunst wird darin bestehen, verschiedenen Angebote miteinander zu kombinieren. Kundinnen und Kunden müssen über eine größere Plattform einfach auf mehrere Mobilitätsangebote zugreifen können. Gleichzeitig muss das Mobilitätserlebnis individuell auf die Nutzerinnen und Nutzer zugeschnitten sein. Von persönlichen Willkommens-Nachrichten, über voreingestellte Sitze bis hin zur Radio-Einstellung und optimierter Navigation – es gibt zahlreiche Möglichkeiten, um seinen Nutzerinnen und Nutzern mit Shared Mobility eine VIP-Erfahrung zu bieten.

Welchen Rat kannst Du neuen Shared-Mobility-Anbietern geben, um erfolgreich zu starten?

Ich habe 18 Jahre lang für Daimler gearbeitet und in dieser Zeit verschiedene Aufgaben in unterschiedlichen Abteilungen wie Controlling oder Forschung und Entwicklung übernommen. Ich habe erlebt, wie ein Unternehmen geführt wird, wie man IoT-Lösungen verwaltet und wie man als kleines Team innerhalb eines großen Konzerns arbeitet. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen bin ich überzeugt, dass Shared-Mobility-Anbieter die Bedürfnisse ihre Kunden in den Mittelpunkt stellen sollten. Sie müssen verstehen, was Kunden wirklich wollen und wie sie ihnen diese Wünsche erfüllen können. Wer in neue Märkte expandieren will, muss außerdem kulturelle Unterschiede berücksichtigen. Er muss eine technische Infrastruktur aufbauen, die flexibel angepasst und mit Blick auf die Marktbedingungen und Benutzeranforderungen bedarfsgerecht skaliert werden kann. Wenn es um das Team-Setup geht, gilt es Vertrauen aufzubauen, gemeinsame Ziele zu definieren und jeden einzelnen zu unterstützen, sodass die Vision von Mobilität gemeinsam realisiert werden kann.