Die technische Anbindung deiner Fahrzeuge ist eine der arbeitsintensivsten Phasen beim Launch eines Carsharing-Services. Nur weil die Hardware installiert ist, bedeutet das nicht, dass Kunden dein Fahrzeug buchen, per GPS orten und mit dem Handy öffnen können. Genau hier verlieren viele neue Services wertvolle Zeit.
In dieser Lektion schauen wir uns die wichtigsten Installationsmethoden für deine Telematik an. Du erfährst, welche Methode zu deinem Geschäftsmodell passt und ob du lieber selbst installierst oder auf einen Installationspartner vertraust. Wir besprechen, wie du einen Einflottungsprozess aufsetzen kannst und was das Onboarding neuer Nutzer sowie die Verifikation ihrer Daten vor deinem offiziellen Marktstart beinhalten müssen.
Was „sharing-ready" wirklich bedeutet
Ein Fahrzeug ist "sharing-ready", wenn drei Bedingungen erfüllt sind:
- Die Telematik ist installiert und kommuniziert mit deiner Plattform.
- Das Fahrzeug ist in deiner Software mit den richtigen Tarifen und Zonen konfiguriert.
- Ein Kunde kann es über deine App buchen und darauf zugreifen, ohne manuelle Schritte deines Teams.
Jede Bedingung hängt von der vorherigen ab. Viele Betreiber stellen mitten im Launch fest, dass Fahrzeuge zwar installiert, aber nicht vollständig konfiguriert sind oder konfiguriert, aber nie von Anfang bis Ende getestet wurden. Ein klarer Einflottungsprozess schließt diese Lücken, bevor sie deine ersten Buchungen beeinträchtigen.
Die richtige Installationsmethode wählen
Es gibt drei Hauptwege, ein Fahrzeug mit deiner Carsharing-Plattform zu verbinden. Die richtige Wahl hängt von der Zusammensetzung deiner Flotte, der Verlässlichkeit deines Setups und den Funktionen ab, die du zum Launch brauchst.
1. CAN-Bus-Installation
Eine Telematikeinheit wird direkt am Controller Area Network (CAN) des Fahrzeugs installiert, dem internen Kommunikationssystem, das alle elektronischen Komponenten verbindet. Dieser Ansatz unterstützt das breiteste Funktionsspektrum: Aktivierung der Wegfahrsperre aus der Ferne, Kraftstoff- und Akkuüberwachung, Fahrtdaten und Schadenserkennung. Er funktioniert für nahezu jede Fahrzeugmarke und jedes Modell und ist die Standardwahl für Betreiber, die eine langlebige Flotte aufbauen.
2. OBD-Adapter
Ein Adapter verbindet sich über den OBD-II-Port, ohne dass er zusätzlich verkabelt werden muss. Installation und Ausbau gehen schnell, was OBD praktisch für Pilotflotten, temporäre Vermietungen oder das Testen eines Fahrzeugmodells vor einer vollständigen Installation macht. Allerdings können Kunden unter Umständen einfacher auf das Gerät zugreifen. In den meisten Fällen können über den OBD auch weniger Daten abgegriffen werden als bei festverdrahteten Einheiten.
Hyre aus Norwegen nutzt OBD-Installation, um bei seiner Fahrzeugflotte von 2.500 Fahrzeugen den schlüssellosen Zugang zu ermöglichen.
Quelle: Hyre nutzt Invers-Technologie über OBD für Autovermietung der nächsten Generation
3. OEM-API-Integration
Einige Fahrzeughersteller (OEMs) stellen APIs bereit, über die eine Carsharing-Plattform direkt mit den Bordcomputer des Fahrzeugs kommunizieren kann, ganz ohne zusätzliche Hardware. Das ist besonders relevant für Betreiber, die eine Flotte rund um eine einzige Marke aufbauen. Die Einrichtungszeit pro Fahrzeug ist minimal, und es fallen keine Hardware-Kosten an. Dafür bist du vollständig von der API-Verfügbarkeit des Herstellers und den bereitgestellten Daten abhängig.
Der dänische Peer-to-Peer-Betreiber GoMore hat Teslas API und die INVERS OEM-Integration genutzt, um in kurzer Zeit neue Teslas zur Flotte hinzuzufügen. Da keine Hardware-Installation nötig war, dauerte es nur 11 Minuten, bis der erste Tesla live gegangen ist.
Quelle: INVERS Success Story mit GoMore
Die meisten Betreiber mit gemischten Flotten nutzen zusätzliche Hardware als Basis. OEM-Integrationen funktionieren am besten als Ergänzung für bestimmte Fahrzeugtypen innerhalb einer größeren Flotte. Wähle daher einen Telematik-Partner, der von Anfang an alle Integrationsmethoden unterstützt, so behältst du die Flexibilität, neue Fahrzeugtypen hinzuzufügen, ohne an eine einzige Integrationsmethode gebunden zu sein.
Installationspartner oder In-House
Sobald du die Installationsmethode festgelegt hast, musst du entscheiden, wer die Arbeit ausführt.
Mit einem Installationspartner arbeiten
Ein zertifizierter Installationspartner übernimmt die physische Arbeit des Hardware-Einbaus in deiner Flotte. Das reduziert den Aufwand für dein eigenes Team und sorgt für immer gleichbleibende Qualität. Partner folgen zertifizierten Verfahren und können fahrzeugspezifische Probleme lösen, die ein Erstinstallateur möglicherweise nicht vorhersieht. Der Nachteil: höhere Kosten pro Einheit und die Abhängigkeit von Verfügbarkeit und Terminplanung des Partners.
Eigene Installationskompetenz aufbauen
Die In-House-Lösung ist flexibler und kostet weniger pro Fahrzeug, sobald dein Team die Prozesse verinnerlicht hat. Dafür musst du in Schulungen, die richtigen Werkzeuge und regelmäßige Qualitätskontrollen investieren. Für kleine Flotten, die an einem einzigen Standort starten, ist DIY oft machbar. Für Betreiber, die schnelles Wachstum in mehreren Städten planen, kann ein hausinterner Engpass die Flottenexpansion deutlich verlangsamen.
Die meisten Betreiber arbeiten zu Beginn mit einem zertifizierten Partner für ihre ersten Fahrzeuge und prüfen, ob sie interne Kapazitäten aufbauen wollen, sobald sie ein klareres Bild von ihrem Wachstumstempo haben.
Den Einflottungsprozess gestalten
Das Einflotten (auch: Infleeting) beschreibt den Prozess zwischen der Auslieferung und der Verfügbarkeit auf deiner Plattform. Ein repetitiver Prozess bedeutet, dass jedes Fahrzeug dieselben Schritte in derselben Reihenfolge durchläuft. Das reduziert das Risiko, dass ein Fahrzeug mit unvollständiger Konfiguration live geht.
Eine vollständige Infleeting-Checkliste umfasst vier Phasen:
- Hardware-Installation und -Konfiguration
- Funktionstest (Datenübertragung, notwendige Befehle für schlüssellosen Zugang, Konnektivität)
- Plattform-Registrierung (Fahrzeugprofil, Tarifzuweisung, Zonenkonfiguration)
- Physische Fahrzeugvorbereitung (Branding, Sauberkeit)
Weise jeder Phase eine verantwortliche Person zu und dokumentiere die Übergabepunkte. Das verhindert vermeidbare Ausfallzeiten in den ersten Betriebswochen.
Nutzer-Onboarding und Verifikation
Bevor ein Kunde seine erste Fahrt bucht, musst du sicherstellen, dass er rechtlich überhaupt ein Auto fahren darf und seine Identität verifiziert wurde. Dein Onboarding-Prozess muss drei Elemente abdecken:
Führerscheinprüfung
Fahrer benötigen einen gültigen Führerschein der passenden Fahrzeugklasse. Digitale Führerscheinprüfungen per automatisiertem Scan oder einem externen Identitätsdienstleister ermöglichen Nutzern, die Verifikation in der App vor ihrer ersten Buchung abzuschließen. Manuelle Prüfungen sind langsamer, können aber in Märkten erforderlich sein, in denen automatisierte Prüfungen rechtlich nicht anerkannt sind.
Identitätsverifikation
Die meisten Betreiber verlangen eine Bestätigung, die über den Führerschein hinausgeht. Das kann ein Selfie, das mit dem Führerscheinfoto abgeglichen wird, oder ein separates Ausweisdokument sein. Damit sollen betrügerische Accounts reduziert werden und eine Haftungsgrundlage bei einem Vorfall oder Schadensfall geschaffen werden.
App-Onboarding und Nutzerschulung
Neue Nutzer profitieren von kurzen In-App-Anleitungen, wie sie eine Fahrt starten, Schäden melden und eine Buchung korrekt beenden. Ein gut gestaltetes Onboarding reduziert die Abbruchquote bei der ersten Fahrt und hält deine Support-Anfragen in den ersten, entscheidenden Wochen gering. Je mehr du davon im App-Ablauf automatisieren kannst, desto weniger muss dein Team manuell bearbeiten.
Das Wichtigste zusammengefasst
Was bedeutet es, wenn ein Carsharing-Fahrzeug „sharing-ready" ist?
Drei Kriterien müssen erfüllt sein, bevor ein Fahrzeug Buchungen annehmen kann: 1. Hardware installiert und in Kommunikation mit der Plattform 2. Fahrzeug in der Flottenmanagement-Software konfiguriert 3. Über die App ohne manuelle Schritte buchbar.
Was ist der Unterschied zwischen CAN-Bus und OBD-Installation?
Bei der CAN-Bus-Installation wird die Telematik direkt an das elektrische System des Fahrzeugs angeschlossen. Es entsteht eine dauerhafte, vollständige Integration. Bei OBD wird ein Adapter in den Diagnoseanschluss gesteckt. Das ist schneller zu installieren und zu entfernen, aber offener einsehbar und damit anfälliger für Diebstahl. Dazu bietet es in der Regel nur eingeschränkteren Funktionsumfang. Der Standard ist aktuell typischerweise die CAN-Bus-Installation.
Wann macht eine OEM-API-Integration Sinn?
Wenn du eine Flotte rund um eine einzige Fahrzeugmarke aufbaust, bei der die API für Carsharing genutzt werden kann. Du hast keine Hardware-Kosten und minimale Einrichtungszeit pro Fahrzeug, aber du bist vollständig von der API des Herstellers abhängig. Am besten als Ergänzung innerhalb einer größeren gemischten Flotte geeignet.
Sollte ich einen Installationspartner nutzen oder selbst installieren?
Für eine erste Flotte reduziert ein zertifizierter Partner das Risiko und sichert die Qualität. Interne Kompetenz zahlt sich aus, sobald das Team erfahrener ist und die Flottengröße wächst. Die meisten Betreiber starten mit einem Partner und prüfen interne Kapazitäten, wenn sie ein klareres Wachstumstempo kennen.
Was ist ein Infleeting-Prozess?
Ein Schritt-für-Schritt-Prozess, um ein Fahrzeug von der Lieferung bis zur Verfügbarkeit im System zu bringen. Hierzu zählen Hardware-Installation, Plattformkonfiguration, Funktionstest und physische Prüfung. Ein dokumentierter Workflow verhindert, dass Fahrzeuge mit unvollständigen Setups live gehen.