Sobald deine Fahrzeuge technisch bereit sind, musst du entscheiden, wo sie parken, wer dir die Erlaubnis dafür gibt und wie du deine Flotte so organisierst, dass sie gut sichtbar und für Kunden leicht erreichbar ist.
In dieser Lektion schauen wir uns die drei wichtigsten Parkmöglichkeiten für deinen Launch an, was einen guten Standort für deine Station ausmacht und wie du Genehmigungen für öffentliche Parkplätze erhältst. Außerdem geht es darum, wie sogennante "Geofenced Stationen" eine hybride Option darstellen, und was es bedeutet, vor deiner ersten Buchung einsatzbereit zu sein.
Wo parkst du deine Fahrzeuge?
Es gibt drei Hauptansätze, wie du ausreichend Parpklätze für deine Fahrzeuge sicherstellen kannst. Kosten, regulatorische Anforderungen und mögliche Kompromisse beim Kundenerlebnis unterscheiden sich je nach Modell:
1. Privates Grundstück
Deine Fahrzeuge parken auf einem eigenen Parkplatz oder einer privaten Garage, die entweder dir gehört oder die du angemietet hast. Der Zugang ist in der Regel. Diese Standorte sind jedoch für potenzielle Kunden oft weniger sichtbar als Parkplätze auf öffentlicher Straße.
2. Feste Stationen am Straßenrand
Jede Station ist ein ausgewiesener Parkplatz am Straßenrand, an dem jede Fahrt beginnt und endet. Dieses Modell, auf dem stationsbasiertes Carsharing aufbaut, macht deine Flotte direkt sichtbar und leicht erreichbar für potenzielle Kunden. Allerdings musst du dir hierfür erforderliche Genehmigungen einholen und das ist mit hohem Aufwand verbunden.
New York City reservierte 285 Straßenparkplätze ausschließlich für Zipcar und Enterprise CarShare als Teil eines eigenen Carsharing-Programms.
Quelle: 7 Parklösungen für Carsharing-Betreiber
3. Free-Floating mit Geofencing
Fahrzeuge können innerhalb eines definierten Geschäftsgebiets geparkt werden. Kunden beenden ihre Fahrt überall dort, wo sie legal parken dürfen. Dieser Ansatz, typisch für Free-Floating-Services, ermöglicht dir und deinen Kunden maximale Flexibilität. Ein Nachteil dieses Modells ist, dass Fahrzeuge sich über das Servicegebiet verteilen und dein Team täglich für eine ausgewogene Abdeckung sorgen muss. Außerdem musst du mit der jeweiligen Stadt oder Kommune eine Lösung für bezahlte Parkplätze finden, damit Kunden keine Parktickets kaufen müssen.
Peer-to-Peer-Services folgen einer anderen Strategie. Bei diesem Modell bieten private Eigentümer ihre Fahrzeuge über deine Carsharing-Plattform an. Wie gut dein Service funktioniert, hängt davon ab, wie viele Eigentümer in deinem Geschäftsgenbiet mitmachen. Du besitzt also keine eigene Flotte. Stattdessen musst du sicherstellen, dass sich genügend Fahrzeugbesitzer in den passenden Stadtvierteln für dein Angebot anmelden.
Die meisten Betreiber starten mit einem Modell und kombinieren später mehrere, um möglichst viele Parkplätze bereitzustellen. Die richtige Wahl hängt von deinem Geschäftsgebiet sowie der aktuellen Gesetzeslage und Anforderungen deiner Stadt ab.
Stationen einrichten
Wenn du auf stationsbasiertes oder hybrides Parken setzt, ist jede Entscheidung über einen Standort mit langfristigen Konsequenzen verbunden.
Worauf es bei einem Standort für deine Station ankommt
- Nähe zum öffentlichen Nahverkehr:
Platziere Fahrzeuge in der Nähe von Bahnhöfen, Bushaltestellen oder großen Verkehrsknotenpunkt, wo Menschen ohnehin unterwegs sind. - Sichtbarkeit von der Straße:
Fahrzeuge sollten vom Gehweg aus leicht zu erkennen sein. Schilder und Markierungen helfen Nutzern, das Auto zu finden, ohne dein Team um Unterstützung bitten zu müssen. - Mehrere Fahrzeuge pro Standort:
Einzeln stehende Fahrzeuge schrecken bei der ersten Nutzung ab. Zwei oder mehr Fahrzeuge an einer Station signalisieren Zuverlässigkeit und können die Hemmschwelle für neue Kunden senken.
"Carsharing funktioniert am besten, wenn Stationen nah an der Nachfrage und gut sichtbar sind. Deshalb sind eigene Plätze am Straßenrand entscheidend."
Paul Kreiner
Product Manager | cambio
Quelle: Insights Interview über stationsbasiertes Carsharing mit cambio
Bevor eine Station eröffnet, stelle sicher, dass jedes Fahrzeug an diesem Standort in deinem System buchbar ist und eine sichere Verbindung zu der Telematik besteht. Eine Station, die einsatzbereit wirkt, aber Probleme bei der Verbindung mit deinen Fahrzeugen hat, gefährdet deinen Launch, bevor der erste Kunde eintrifft.
Genehmigungen fürs Parken auf der Straße einholen
Stationen am Straßenrand brauchen Genehmigungen der Stadt. Das Verfahren variiert je nach Stadt und Land, folgt aber denselben Mustern. Kommunen kontrollieren die Parkflächen am Straßenrand und brauchen einen Grund, sie deinem Service zu überlassen.
Städte, die extra Programme für Carsharing-Gehnemigungen eingeführt haben, sehen den Vorteil in der Einsparung von Parkplätzen und unterstützen die Reduzierung von privaten Fahrzeugbesitz. Positioniere deinen Service als hilfreiche Mobilitätslösung, nicht als normalen Mieter, der nach Parkplätzen fragt.
Mit der lokalen Verkehrsbehörde musst du abstimmen, welche Flächen du nutzen darfst, welche Regeln gelten und wie viele Fahrzeuge pro Station mindestens verfügbar sein müssen. Rechne mit mehreren Monaten für die Abstimmungen und plane das fest in deinen Launch-Zeitplan ein.
Wenn die Stadt noch keine klaren Regeln für Carsharing hat, starte auf privatem Gelände und bau die Beziehung zur Kommune parallel auf. Auch Kooperationen mit Immobiliengesellschaften funktionieren gut. Wer Carsharing direkt in ein Wohnbauprojekt integriert, bekommt den Parkplatz oft mit dazu.
Im „The Ivory“, einem autofreien Wohnkomplex in Austin, hat der Bauträger die Anzahl der Wohnungen um fast 40 % erhöht, indem er auf private Parkplätze verzichtet und stattdessen Carsharing integriert hat.
Quelle: Success Story mit Quantum Mobility
Free-Floating-Zonen einrichten
Beim Start einer Free-Floating-Flotte legst du zuerst dein Geschäftsgebiet fest. Das ist die geografische Grenze, in der Kunden Fahrzeuge abholen und zurückgeben können. Sie wird in deiner Plattform als Geofence konfiguriert und bestimmt, wo Fahrzeuge in der App als buchbar erscheinen.
Die Größe dieser Zone ist wichtiger als die meisten Betreiber beim Launch erwarten. Bei einer zu großen Zone gibt es im Zweifel nicht genug Fahrzeuge, um den Bedarf zu decken. Die meisten Betreiber starten mit einer kompakten Zone, die ein einzelnes Stadtviertel abdeckt, und erweitern diese mit steigender Flottenauslastung.
Umpositionierung von Tag eins
Ohne feste Endpunkte häufen sich Fahrzeuge in Gebieten mit einer hohen Nachfrage und lassen in nachfrageschwächeren Gebieten Lücken entstehen. Dagegen helfen zwei Strategien:
- Aktives Umpositionieren:
Dein Team fährt Fahrzeuge aus nachfragestarken Gebieten in Nachfrage schwache Gebiete. Diese Methode ist sehr zuverlässig, aber operativ aufwändig. - Preisanreize:
Hier beziehst du deine Kunden mit ein. Sie erhalten Vergünstigungen, wenn sie ein Auto buchen, dass in einem abgelegenen Gebiet mit weniger Nachfrage steht. Kunden profitieren von geringeren Kosten und du musst dein Team nicht rausschicken. Diese Methode ist gut skalierbar, aber weniger vorhersehbar.
Die hybride Option: Geofenced Stations
Geofenced Stations kombinieren den stationsbasierten und den Free-Floating-Ansatz. Fahrzeuge können überall innerhalb einer definierten Zone (z.B. eine Siedlung oder ein Unigelände) geparkt werden, statt an fest zugewiesenen Plätzen.
Für neue Betreiber reduziert das den Aufwand für einzelne Genehmigungen und gibt dir trotzdem ein definiertes Gebiet, in dem du Nachfrage aufbauen kannst. Wenn dein Service wächst, kannst du innerhalb der Zone Stationen einrichten, damit zu Stoßzeiten mehr Fahrzeuge verfügbar sind, ohne die Flexibilität zu verlieren, die das Modell attraktiv macht.
Der Nachteil liegt hier im täglichen Betrieb. Ohne feste Stationen verteilen sich Fahrzeuge mit der Zeit ungleichmäßig. Du brauchst entweder regelmäßige Umpositionierungen oder einen preislichen Anreiz (z. B. vergünstigte Fahrten, die an bevorzugten Standorten enden), damit die Zone gut abgedeckt bleibt.
Jetzt solltest du einsatzbereit sein
Deine Fahrzeuge sollten nun gebucht werden. Prüfe, ob wirklich alles bereit ist. Jedes Fahrzeug sollte technisch angebunden, physisch zugänglich und buchbar sein, ohne manuelle Schritte deines Teams zu erfordern.
Führe vor der ersten Buchung einen vollständigen Test an mindestens einem Fahrzeug pro Station durch. Buche es, entsperre es über die App, starte und beende eine Fahrt und prüfe, ob die Fahrt korrekt im System erfasst wurde. Wenn ein Schritt fehlschlägt, kannst du den Fehler direkt beheben.
Der Fahrzeugzustand ist ebenfalls wichtig. Ist das Fahrzeug sauber, der Tank gefüllt und die Batterie geladen? Der Zustand deiner Fahrzeuge spiegelt deine operative Qualität wider. Wenn ein Nutzer ein gepflegtes Auto vorfindet, geht er davon aus, dass auch die Technik im Hintergrund reibungslos funktioniert.
Das Wichtigste zusammengefasst
Welche Parkmöglichkeiten haben neue Carsharing-Betreiber?
Es gibt drei Hauptansätze: private Parkflächen abseits der Straße, feste Stationen am Straßenrand und Free-Floating innerhalb eines "Geofence". Jedes Modell hat andere Kosten, andere vorgegebene Regeln und erfordert unterschiedlich viel operativen Aufwand. Die meisten Betreiber starten mit einem Modell und erweitern das mit der Zeit.
Brauche ich feste Stationen oder kann ich direkt mit Free-Floating starten?
Beides ist beim Launch möglich. Free-Floating mit einem "Geofence" braucht weniger Genehmigungen. Stationsbasiert bietet mehr Sichtbarkeit, erfordert aber Vereinbarungen über Parkplätze am Straßenrand. Dein regulatorisches Umfeld und wie viel dein Team stemmen kann, sollten die Entscheidung lenken.
Wie bekomme ich Genehmigungen für Carsharing-Plätze in der Stadt?
Wende dich frühzeitig an deine lokale Verkehrsbehörde und zeige, dass dein Service Parkraum einspart. Viele Städte haben bereits Programme für Carsharing. Wo keines existiern, kann es sinnvoll sein, auf privatem Gelände zu starten. Dabei sollte gleichzeitig eine Beziehung zur Kommune aufgebaut werden.
Was macht einen guten Standort für eine Station aus?
Nähe zum öffentlichen Nahverkehr ist der stärkste Grund für eine Standortentscheidung. Sichtbare Stationen eignen sich besser als versteckte Plätze. Stationen mit mehreren Fahrzeugen schneiden besser ab als Standorte mit nur einem Fahrzeug, die für Erstnutzer unzuverlässiger wirken können.
Was sind "Geofenced Stations"?
Ein hybrider Ansatz, bei dem Fahrzeuge überall innerhalb einer definierten Zone parken, nicht an festen Plätzen. Du brauchst damit weniger Genehmigungen im Vorfeld. Das Modell erfordert aber aktives Umpositionieren, da sich Fahrzeuge mit der Zeit ungleichmäßig verteilen.
Woran erkenne ich, dass meine Fahrzeuge einsatzbereit sind?
Führe einen vollständigen Test durch. Buche, entsperre, starte eine Fahrt, gib das Fahrzeug zurück und prüfe, ob die Fahrt erfasst wurde. Das Fahrzeug sollte sauber, betankt oder aufgeladen und ohne manuelle Schritte buchbar sein. Teste mindestens ein Fahrzeug pro Station, bevor du deinen Service öffentlich machst gehst.